das Klagen einer Oase
von gefunden von Brigitte Beermann
veröffentlicht: Juni 25, 2019

OaseEs war einmal eine wundervolle Oase. Sie grünte in einer Pracht, die schöner kaum sein konnte.
Eines Tages blickte die Oase um sich, doch sah sie rings um sich weit und breit nur Wüste. Vergebens suchte sie nach ihresgleichen und wurde ganz traurig.

Laut begann sie zu klagen: “Ich traurige, einsame Oase! Allein muss ich bleiben! Nirgends meinesgleichen. Nirgends jemand, der Freude an mir und meiner Pracht hat. Nichts, als die traurige, sandige, felsige, tote Wüste umgibt mich. Was helfen mir hier in meiner Verlassenheit all meine Vorzüge und Reichtümer?”

Da sprach die alte und weise Mutter Wüste: “Mein Kind, wenn es denn anders wäre und statt ich – die traurige, dürre Wüste – dich umgäbe, sondern wenn alles um dich herum blühend, grün und prachtvoll wäre, dann wärst du kaum eine Oase. Du wärst dann kaum ein begünstigter Fleck, von dem, noch in der Ferne die Wanderer rühmend erzählen. Du wärst dann nur ein kleiner Teil von mir und bliebest außer Acht. Darum also ertrage in Geduld, was die Bedingung deiner Auszeichnung und deines Ruhmes ist!”

(nach Arthur Schopenhauer, leicht geändert, gefunden in: E. Lukas: “Rendezvous mit dem Leben”)

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Foto: pixabay